Eberswalde (MOZ) Die polnischen Pläne zum Einstieg in die eigenständige Kernenergienutzung und zum Bau von Atomkraftwerken entlang der deutsch-polnischen Grenze werden im Barnim mit Sorge gesehen. Der Landkreis hat eine Stellungnahme dazu abgegeben, die Kreistagsabgeordneten verabschiedeten eine Resolution.
Landrat Bodo Ihrke (SPD) erinnerte denn auch am Mittwoch im Kreistag an den Reaktorunfall von Tschernobyl in den 1980er Jahren und den jüngsten im japanischen Fukushima. Dort trat die höchste radioaktive Kontamination im Umkreis von 20 bis 30 Kilometern vom Unglücksstandort auf. "Vor diesem Hitnergrund gewinnt der Umstand, dass sich neun der 27 potentiellen Kernkraftwerksstandorte in Polen lediglich 1,2 bis 61 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt befinden, eine sehr große Bedeutung", sagte Ihrke.
Der Vorsitzende der US-Atomregulierungsbehörde habe im Zusammenhang mit einem Störfall wie in Fukushima eine Evakuierungszone im Umkreis von 80 Kilometern empfohlen. "Damit würde der Bereich hier, den bei einem Störfall alle Menschen verlassen müssten, im Einzelfall sogar noch weit über unseren Landkreis hinaus gehen", machte der Landrat deutlich.
Seine Verwaltung hat im Rahmen einer "Grenzüberschreitenden Strategischen Umweltprüfung" zum Entwurf des polnischen Kernenergieprogramms eine umfangreiche Stellungnahme abgegeben, die der Vorsitzende des Umweltausschusses, Michael Luthardt (Linke), am Mittwoch als "ausgezeichnet" lobte, was den fachlichen Inhalt anbelangt. Käme es zum Bau von Kernkraftwerken im Nachbarland, dann werde der Barnim möglicherweise "Transitstrecke" für Transporte radioaktiven Materials. "Der Barnim darf kein zweites Wendland werden", rief Luthardt aus.
Sowohl seine Fraktion hatte gemeinsam mit den Bündnisgrünen einen Resolutionsantrag zur Ablehnung des polnischen Kernenergieprogramms eingebracht als auch die Sozialdemokraten.Letzterer wurde zur Abstimmung gestellt und fand eine deutliche Mehrheit im Barnimer Kreistag.