Potsdam (MOZ) Knapp 40 000 Unterschriften haben die Initiatoren der Volksinitiative "Schule in Freiheit" in knapp sechs Monaten gesammelt. Nun werden ihre Anliegen im Landtag diskutiert. Den Anfang machte gestern eine Anhörung im Bildungsausschuss.
Jeremy Scheibe ist 18 Jahre alt, Landesschülersprecher aus Lübbenau. Er kann in der Anhörung anschaulich erklären, woran es an seiner Schule hapert. "Sandkörner lassen das Getriebe knirschen, nicht große Brocken", sagt er und meint damit die Bürokratie und die Unflexibilität des Systems. "Ein plötzlich erkrankter Lehrer, ein fehlendes Whiteboard, ein kaputter Stuhl - jede Kleinigkeit wird zu einem Problem, weil die Schule nicht die Möglichkeit hat, selbst Abhilfe zu schaffen." Das nerve, Scheibe ist sogar der Überzeugung, dass aus diesen und ähnlichen Gründen Jugendliche gelangweilt von der Demokratie seien. "Wenn es an der Schule etwas zu entscheiden gäbe, würde das auch die Schüler zu Teilnahme animieren."
Nun wurden zwar, wie Bildungsstaatssekretär Burkhard Jungkamp betont, die Spielräume der Schulen bereits erweitert. Allein machen nur wenige Einrichtungen von dem Angebot Gebrauch. Nach Einschätzung von Christoph Schröder, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen im Land Brandenburg, fehlt den Leitern von staatlichen Schulen der Raum, Freiheit auszuleben. "Sie wollen sich nicht noch mehr Bürokratie aufladen", glaubt er.
Barbara Nieter vom Landesschulbeirat fordert indes im Namen der Volksinitiative eine Dezentralisierung der Schulaufsicht, um schneller auf Bedürfnisse einzelner Einrichtungen eingehen zu können. "Bildung muss regional gesteuert werden." Die Verwaltungen der Landkreise würden sich dafür in ihren Augen anbieten.
Andreas Kaczynski vom Paritätischen Wohlfahrtsverband moniert, dass es im Kita-Bereich längst eine gleichberechtigte Partnerschaft zwischen privaten und staatlichen Trägern gebe, dass Land dies im Bildungsbereich jedoch ablehne. "Freie Schulen sind Vorbilder in Sachen Innovation", sagt Kaczynski. Wie andere Redner auch fordert er einen Stufenplan zur finanziellen Gleichstellung von privaten und öffentlichen Schulen. Staatssekretär Jungkamp (SPD) lehnt dies ab. Derzeit bekämen die freien Schulen mit 130 Millionen Euro 65 Prozent der Kosten erstattet. Weitere 70 Millionen Euro seien illusorisch.
Christoph Schröder verweist indes auf die Bereitschaft freier Schulen, auch die Grundversorgung von bislang staatlichen Schulen zu übernehmen. "Wenn darüber Verträge geschlossen werden, gehen diese Schulen auch Selbstbindungen ein." Das garantiere Verlässlichkeit. Schröder kritisiert die Landesregierung dafür, in seinen Augen eine Neiddebatte auf Kosten der freien Träger zu forcieren. "Stattdessen sollten sich die Verantwortlichen lieber fragen, warum so viele Eltern ihre Kinder auf freie Schulen schicken." Es gebe einen Vertrauensverlust in staatliche Einrichtungen.