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Presse
08.02.2012, 10:17 Uhr | MOZ | Oliver Schwers Übersicht | Drucken
Bürgerbeschwerden gegen Windkraft

Bernau/Eberswalde (MOZ) Begleitet von Protesten betroffener Bürger hat die Planungsgemeinschaft Uckermark-Barnim neue Voraussetzungen für Windgebiete beschlossen. Künftig dürfen Strommühlen auch in Wäldern stehen. Der Fünf-Kilometer-Mindestabstand zwischen den Feldern wird halbiert.



"Krank durch Infraschall" - das steht auf einem Pappschild, mit dem ein aufgebrachter Bürger von der übervollen Publikumstribüne der Eberswalder Kreisverwaltung herunter winkt. Er hat Angst vor immer neuen und immer größeren Windkraftanlagen.

So wie er empfinden es zahlreiche Betroffene. Eine wachsende Zahl von Bürgerinitiativen aus beiden Landkreisen begleitet die Sitzungen von Planungsausschuss und Regionalversammlung. Viele von ihnen haben massenhaft Einwände und Beschwerden gegen die Ausweitung der Riesenräder geschrieben.

"Jedes Ding hat sein Maß", so Hans-Jürgen Klemm von der Barnimer Bürgerinitiative "Hände weg vom Liepnitzwald". Infraschall zerstöre die Gesundheit, auf den Windrädern herrsche kein Brandschutz. Wenn jetzt auch noch der Wald frei gegeben werde, sei er in seiner Funktion gefährdet - so die Vorwürfe.

Größere Abstände zu Wohnhäusern verlangen Bürger aus Wallmow (Uckermark). Ihnen genügen die vorgegebenen 1000 Meter nicht. Die kaum zu verhindernde Umzingelung ganzer Dörfer stehe im Widerspruch zu den Zielen der Regionalplanung, so Anwohner Matthias Poller während der Einwohnerfragestunde.

Ebenso reagieren Einwohner aus Crussow bei Angermünde. Die "Herrschaften" in der Regionalplanung seien offenbar an Gesetze gebunden, "nicht aber an unsere Sorgen", so Hartmut Konipanzki.

Und in Lanke fühlt man sich gleich von zwei Seiten durch die Windkraft bedrängt, wenn der neue Windplan wie geplant beschlossen wird.

Das Für und Wider zu den Windeignungsgebieten entzweit Bürger und Kommunalpolitik. Denn der Strom aus erneuerbaren Energien findet vielerorts auch Fürsprecher. Nicht nur in der Industrie. Es gibt in beiden Landkreisen Gemeinden, die auch auf ihrem Territorium weitere Anlagen sehen wollen.

Man werde den Konflikt nicht herauslösen können, meint der Barnimer Landrat Bodo Ihrke, Vorsitzender der Planungsgemeinschaft. Er bezieht sich auf Atomkraftdebatten, auf Braunkohle. "Wenn wir nicht reglementieren, gibt es Wildwuchs", so Ihrke. Er verteidigt die neuen Kriterien, die die Planungsgemeinschaft jetzt mit überdeutlicher Mehrheit beschlossen hat.

Sie halbiert die derzeit noch gültigen Mindestabstände zwischen den Eignungsgebieten, lässt Windkraft in Wäldern zu, räumt aber auch dem Artenschutz und dem Kulturlandschaftsbild mehr Beachtung ein. Am Ende soll die beanspruchte Fläche für Windeignungsgebiete weiter zunehmen.

Darauf reagiert die Bürgergemeinschaft "Rettet die Uckermark", die mit dem Protestthema Windkraft seit Jahren im uckermärkischen Parlament sitzt, mit heftiger Kritik. Viel zu große Eile, "keine ernsthafte Abwägung" der vielen Einwände und ein "Durchwinken" beim Abstimmungsverhalten ärgern deren Sprecher Hans-Joachim Mengel. Übergeordnete Pläne würden auf Kosten einer Region durchgesetzt. Schon jetzt seien weite Teile des Planungsgebietes überfrachtet. Als ihm nur fünf Minuten Gesamtredezeit während der Versammlung eingeräumt werden, verlassen die beiden Vertreter der Bürgergemeinschaft erbost den Saal.

Die neuen Kriterien für den Windplan Uckermark-Barnim sollen jetzt bei der Abwägung der vielen Bürgerhinweise behilflich sein. Dann wird der vorliegende Entwurf noch einmal öffentlich in beiden Landkreisen für weitere Stellungnahmen ausgelegt.


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